gedanken geordnet am 09.02.2019 02:56h

jetzt liegt er in meinem bett, es ist grausam und schön zu gleich; ich sitze am schreibtisch, halte es nicht aus, allein zu sein; das ist alt, es ist ein altes gefühl, ein alter gedanke auf die menschheit betrachtet; ich bat ihn, nicht zu gehen; gehen wäre schlimmer gewesen oder: im gleichen maße schlimm aber entschiedener; gehen hätte etwas verändert, was ich nicht geändert haben will; nur das gleiche, das bleiben: chaos; er fehlt mir, die idee, die ich von uns hatte fehlt mir; die neue idee, kenne ich noch nicht; die alte: hatte mich angelehnt, beinahe: fallen gelassen; zynisch, dass er mir direkt in die inspiration fällt, ich bin grausam; diese grausamkeit springt sie alle geradezu an, sobald ich mich öffne; deshalb bleiben sie: zum reden; sie können immer schön mit mir reden, sie bleiben, um meine worte zu genießen, meine kunst, mein wildes fallen lassen der küchengegenstände, ich bin ungeschickt, tollpatschig, irgendwie lustig, irgendwie angenehm, manchmal auch sexy oder verfürerisch lecke ich mir über die lippen, die brille rutscht mir fast von der nase, ich tänzle durchs wohnzimmer, du ziehst dich an mich, kurz flackert mein licht

dann ist es vorbei; es ist schön, dich zu berühren; nicht genug; aber schön; ausgereizt aufgegriffen, ich reiche nicht an dich, deine mitte, schwung: ich bin dieser mensch nicht; ich war es nie; das ist grausam: ich bin grausam; in schönen worten sage ich: etwas in mir ist grausam; diese liebliche distanz der worte; in ihnen verstecke ich mein wissen, die wahrheit, wie die white dudes sagen, die wahrheit: ich bin grausam; ich wäre es gern gewesen: dieser mensch, oder dieser, oder dieser, es gab viele; ich bin manchmal sehr wahllos beim mensch sein; ich kann so viele menschen sein, dass ich oft vergesse, ich weiß gar nicht mehr, ich wiederhole die alten gedanken; ich habe ein mantra, einen psalm, eine gebetskette an irrtürmern und mindfuck, am boden, also richtig tief reingefasst in diesen fleischhaufen aus muschi und bestie und verbrannte lunge, herrlich totgetrampeltes hieronymus bosch gemälde; ist die irrsinnig: jetzt zitiert sie auch noch den namen des sohnes ihres exfreundes, ihrer großen liebe, dieser erste große versuch mensch sein ging mächtig daneben; das ist okay; ich hab mir verziehen;

es wäre witzig, wenn ich mich jetzt umbringen würde; es wäre alles in allem der richtige zeitpunkt; wobei es in diesem zusammenhang seltsam ist, vom richtigen zeitpunkt zu sprechen, denn genauer betrachtet, ganz genau betrachtet, die eigene zeitachse entlang in die vergangenheit ist eine ganze anordnung, eine ganze reihe von minutiös geplanten richtigen zeitpunkten des ablebens; insofern gibt es keinen richtigen oder falschen zeitpunkt, sondern lediglich verpasste; er: wie er gerade schlafend in meinem bett liegt, zuvor hatte er sich noch an mich gekuschelt, bat mich, ihm etwas zu erzählen, gab mir einen kuss auf die wange, es war alles sehr intim, uneträglich; es wäre eine lustige geschichte: er abends beichte, sie in tränen aufgelöst, dieser harte tag, dieses emotionale chaos, sie: bleib! er: zahnbürste! dann liegen sie im bett, kuscheln, lachen, er fragt: bist du eine sizequeen, dann springt sie auf, schlaflos, bringt sich um; dann ist auch die geschichte vorbei, denn die geschichte ist in ich-perspektive geschrieben; genau diese geschichte erzähle ich dann dem nächsten date, er lacht, wir ficken, das ganze geht von vorne los (beim kiffen oder eigentlich bei jeder droge: wenn das gegenüber so jede kontur verliert und sich ins erbärmliche auflöst; dabei meint man sich selbst, aber die drogen machen überheblich)

ich bin müde, ich will nicht ankommen aber bleiben auch nicht; ich denke in kurzen geschichten; zu kurz; kurzes mensch sein; ich denke nur im mensch sein ins weite, ins lange, in eine zukunft; das mensch-sein selbst, denke ich kurz; wir haben gar keinen zugang, wir stehen voreinander als wände; das eine mensch sein, das andere, deshalb funktioniert sex: dort wo sich unsere hüllen begegnen, schön weit weg; wand gegen wand, ficken, muschi lecken, wie eine irre kann ich dich lang in den arsch ficken, ich komm da einfach nicht rein; also leben, also verteilen, unsere mononukleose versäuchten münder schreien sich ins, ins, in sich; stottere ich, versmaß fragwürdig; jetzt wieder distanz: ich sterbe ja heute nicht wirklich; er fehlt mir aber es ist schön, dass er in meinem bett liegt; ich gehe gleich dahin zurück; ich kann dann behaupten, ich sei bereits für uns gestorben; er muss ja nicht wissen, dass ich noch lebe; ich falte meine kalten hände über der brust; ich erwache morgen im leichensarg: mein bett, ein verpasster zeitpunkt

ich war heute verdammt erdnah, fast tief verankert im gefüge, fast hätte ich vernünftig reagiert; fast begraben; ich zittere also, schlotter mir die beine zusammen, ich lächle, es ist gut, ich durfte in deinen armen weinen, meinen ganzen körper hast du gehalten, das gmeinsame lachen war schön; ich halte deine hand morgen früh, ich koche dir kaffee, wir sitzen auf der couch; du bist eine gratwanderung, fixe idee, zumuntung, wir werden sehen; aber wer wäre ich, würde ich wegrennen, just in dem moment, in dem jemand endlich ehrlich ist; nur weil mir der inhalt dieser ehrlichkeit nicht gefällt; ehrlichkeit ist grausam aber ich, ich doch auch; ich lach morgen neben dir auf; ich werde sagen, dass ich die ganze nacht geschrieben habe, so lange, bis ich glücklich war; im schreiben bin ich glücklich, auch eine wiederholung; ich werde ihm nicht sagen, dass ich fast dankbar bin; genau das ist freiheit: nichts sagen; wenn ich konsequent wäre, müsste ich jetzt alles löschen; aber siehe oben; wir sitzen auf der couch, beine ineinander überschlagen; hände verglichen, keine zwillinge; ich sage nicht: diese seltsame stimmung war nicht deinetwegen, das war nur ich beim verarbeiten, danke fürs bleiben, ehrlichkeit, ich mag es, mit dir zusammen zu sein, lass es uns genau so weiter machen, wie es jetzt ist