achtzehn

Wir starren unentwegt auf den riesengroßen Mond & es will uns nicht ein gutes Bild gelingen mit dem Smartphone. Wieder bleiben wir stehen, starren in das glattgezogene Bettlaken (sattblau) über unseren Köpfen, nicht diesig ist es heute, sondern klar, fast eisig & riesengroß der Mond auf Höhe der Häuserdächer; wieder bleiben wir stehen, positionieren die Kameras: Die Häuserdächer verschlucken ihn, den Mond, sobald wir auf die Auslöser drücken. Es ergibt sich uns kein passendes Umfeld, kein Winkel oder Ausschnitt, der es ermöglicht, den riesengroßen Mond in seiner Riesengröße erfahrbar zu machen; nur du & ich erfahren ihn, den riesengroßen Mond. Kein Bild auf Instagram. Keine Erinnerung an unseren Sparziergang. Uns bleibt nichts als das Abspeichern in die Köpfe & wären wir nicht zu zweit gewesen, wäre auch das nicht passiert.

siebzehn

Im Entzug. Wenn du nicht mehr weiter weißt, tritt einen Schritt zurück, verschaff dir ein größeren Überblick, betrachte das Gesamtbild. Eine Verrücktheit im Grunde, sich immer wieder auszusetzen, den Anderen auszusetzen und dann fragen sie: ist das real und ich hab gar keine Antworten mehr, ich kann mich nur aussetzen und aussetzen im Wechsel; im Wechselspiel der Gefühle sitzen wir uns gegenüber und du redest oder ich, es macht bald keinen Unterschied, im Kopf ist es das selbe, jede Begegnung gerinnt.

fünfzehn

Beim neuen Pollesch eineinhalb Stunden entgeistert auf die Bühne gestarrt und mir ausgemalt, wer im Ensemble Sex mit wem hat, nur um die ganzen Lacher nicht hören zu müssen, nicht die aus Fremdscham in meinem Kopf, die Lacher aus dem Publikum, während Hinrichs uns unentwegt demütigt mit Geschrei und Gags über Kapitalismus und Einsamkeit. WOHIN MIT DEM VERSCHWINDEN DER MENSCHEN, schreit Hinrichs. Aber wenn ich mich im Raum umsehe, ist er voll, so voll an Menschen, fast jeder Platz ist besetzt mit mindestens einem Menschen und alle lachen, lachen sich frei, frei vom Denken, eineinhalb Stunden nicht denken, nur lachen über Kapitalismus und Einsamkeit. Hinrichs schreit sich die Seele aus dem Leib. Er kann den Text. Die Gags sitzen, sitzen seit zehn Jahren oder zwanzig Jahren. Sitzen seit die Menschen im Theater sitzen. Und das Publikum lacht. Es lacht bei dem Gag mit der Tiefe und dem Gag mit dem Schweigen und den Gags über Kapitalismus und Einsamkeit und bei dem Gag über das Gelingen. Das Publikum hat herzhaft gelacht.

dreizehn

Die Herz-Lungen-Machine is running through my veins und um uns apart zu tearen braucht es gar keine Liebe, wir haben Tinder. Ich liege am Boden, im Gras, unter Bäumen und wundere mich nicht: Ich spüre das Leben als hätte ich eine neue Platte aufgelegt, als würde ich den einen Beat mit dem anderen mischen. Leben also, wie es durch mich hindurch geht. Leben also, wie es einfach da ist. Es sollte eine Wohltat sein. Wie ich hier so liege und lebe, ganz nah bin. Wie ich endlich die Augen schließe und einschlafe.

acht

Ich bin ein Sirenengesang. Ich kann nur an meine Vulva denken. Ich masturbier alle zwei stunden zum immer gleichen Song und will harten Sex aber Andrew legt nur seinen Kopf auf meine Schultern. Wir liegen Kopf an Kopf ineinander. Wir schauen eine Folge Broad City. Ich habe noch nichts von meinem Non-Bio-Cock erzählt.

vier

Beim Eintippen der Nachricht ins Chatfenster halte ich einen Monolog. Ich sage: Mein ganzer Kopf ist ein Pickel, der ausgedrückt werden muss. Ich sage: Holy shit, ich hatte gerade den besten Blowjob meines Lebens. Ich sage: Wir sitzen in der Bar und der Mensch neben mir redet und redet. Der Mensch neben mir ist einsam, verzweifelt, gebrochen, roh, grausam, erbärmlich. Der Mensch neben mir hat so viele Adjektive erfunden aber keines passt. Ich sage: Der Mensch neben mir ist eine Leinwand. Der Mensch neben mir hat eine lange Vergangenheit. Ab einem gewissen Alter, sage ich, ab einem gewissen Alter gibt es nur noch Vergangenheit. Dann sage ich dem Mensch neben mir: I want to go down on you und erst als ich auf den Knien bin, spüre ich ihn, den Mensch neben mir.

drei

Es gäbe keine medizinische Indikation mir den Uterus entfernen zu lassen; der Psychoterror, den ich durch ein für mich nutzloses Organ erfahre, dieser uterale Determinismus, zehn Tage high, zehn tage down, ist also kein medizinisch ausreichender Grund. Der hier vorliegende „nicht ausreichende Grund“ ist vor allem das politische Interesse an meinem Körper. Dass Menschen mit Uterus nicht frei darüber entscheiden dürfen, wie sie mit ihrem Körper umgehen, sondern immer auch in die eine oder andere Fortpflanzungsideologie gezwungen sind.