acht

Ich bin ein Sirenengesang. Ich kann nur an meine Vulva denken. Ich masturbier alle zwei stunden zum immer gleichen Song und will harten Sex aber Andrew legt nur seinen Kopf auf meine Schultern. Wir liegen Kopf an Kopf ineinander. Wir schauen eine Folge Broad City. Ich habe noch nichts von meinem Non-Bio-Cock erzählt.

sieben

Und irgendwann war es dann doch endgültig aus und zu Ende und Schluss. Ich liege am Boden, im Gras, unter Bäumen und wundere mich nicht: mein Körper revoltiert, gibt, in sich ruhig anbahnenden Wellen, wilde Zuckungen von sich, als wolle er etwas sagen, als wolle er etwas mitteilen, als gäbe es etwas zu teilen in diesem, seinem Innenraum. Ich liege am Boden, im Gras, unter Bäumen und wundere mich nicht: mein Körper revoltiert, veräussert sich in ruhig anbahnenden Wellen, will sich äussern, zum Ausdruck bringen. Da kommt aber nichts mehr. Ich habe in den letzten Stunden, Tagen, ich weiß nicht mehr wann, nichts mehr zu mir genommen. Ich breche leer vor mich hin unter Bäumen, im Gras. Irgendwann hört das Ringen auf. Die Zuckungen werden seltener. Irgendwann ist er erschöpft, dieser Körper. Wehrt sich nicht mehr. Dann lieg ich da: bewegungslos.

sechs

Auch an diesem Morgen bin ich erwacht und zur Arbeit gefahren. Zuvor saß ich einige Stunden auf der Couch. Seit zwei Tagen steht sie links an der Wand statt mittig vor dem Fenster. Dabei sind meine Vorhänge immer verschlossen. Egal wie die Couch im Raum positioniert ist, ich schaue nicht aus dem Fenster. Ich schaue immer in den Raum.

fünf

Mit der Müdigkeit kommt die Distanz: Unsere im jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt und jetzt diffundierten Existenbegründungen fließen auseinander, schnellen zurück in ihre jeweilige Ausgangsposition, du liebst dein Alleinsein, wie ich das Rauchen, jede_r hat ein lieb gewonnenes Narrativ, der Alltag muss erträglich gestaltet werden, also weniger wissen wollen, nicht aufschauen, wenn du dich aus meinem Bett verabschiedest, wenn unsere Erzählstränge enden, eine Umarmung oder ein Kuss, wir wissen es nicht. Abschied ist Chaos.

vier

Beim Eintippen der Nachricht ins Chatfenster halte ich einen Monolog. Ich sage: Mein ganzer Kopf ist ein Pickel, der ausgedrückt werden muss. Ich sage: Holy shit, ich hatte gerade den besten Blowjob meines Lebens. Ich sage: Wir sitzen in der Bar und der Mensch neben mir redet und redet. Der Mensch neben mir ist einsam, verzweifelt, gebrochen, roh, grausam, erbärmlich. Der Mensch neben mir hat so viele Adjektive erfunden aber keines passt. Ich sage: Der Mensch neben mir ist eine Leinwand. Der Mensch neben mir hat eine lange Vergangenheit. Ab einem gewissen Alter, sage ich, ab einem gewissen Alter gibt es nur noch Vergangenheit. Dann sage ich dem Mensch neben mir: I want to go down on you und erst als ich auf den Knien bin, spüre ich ihn, den Mensch neben mir.

drei

Es gäbe keine medizinische Indikation mir den Uterus entfernen zu lassen; der Psychoterror, den ich durch ein für mich nutzloses Organ erfahre, dieser uterale Determinismus, zehn Tage high, zehn tage down, ist also kein medizinisch ausreichender Grund. Der hier vorliegende „nicht ausreichende Grund“ ist vor allem das politische Interesse an meinem Körper. Dass Menschen mit Uterus nicht frei darüber entscheiden dürfen, wie sie mit ihrem Körper umgehen, sondern immer auch in die eine oder andere Fortpflanzungsideologie gezwungen sind.

zwei

Im Zug sitzen, es zieht, es zieht an mir, zwischen Fenster eins uns zwei ziehst du an mir, dein Entzug, wie du dich mir immer wieder entziehst, als wärst du eine eigenständige Person. Eine Verrücktheit im Grunde, sich immer wieder aus-zu-setzen, rasch und lieblich, mich aus-setzen oder aus-setzen und während du langsam neben mir weg-sackst, würde ich jetzt, in diesem Moment, tatsächlich nie wieder einschlafen müssen, das sage wir doch, wenn wir für immer sagen.

eins

Blutige Kopfwunde verursacht durch zu viel Keta unter der Dusche. Es ist eine sehr laue Sommernacht und ich verstehe nicht, warum ich gerade JETZT alleine bin, obwohl ich immer behaupte, gerne alleine zu sein und das stimmt ja auch: Allein-sein ist meine bevorzugte Daseinsform. Ich kann ja kaum denken in der Nähe von anderen, so ganz und gar er-füllt vom Anderen. Drei Tage wegen Regen eingesperrt in einem Hotelzimmer in Wuppertal und ich fragte Väinö: Was würdest du tun, wenn ich jetzt unten eine rauchen gehe und nie wieder zurück komme? Ich würde nach Hause fahren, sagte Väinö, du bist ja erwachsen und kannst machen, was du willst. Würdest du dir keine Sorgen machen, wenn ich einfach so verschwinde, fragte ich. Väinö zuckte mit den Schultern und behauptete, ich hätte schon meine Gründe, einfach so zu verschwinden, das wäre schon okay und wir haben nicht überlebt und heute, in dieser lauen Sommernacht, bin ich so allein, es ist ohne Keta kaum auszuhalten und während das Betäubungsmittel langsam alle körperlichen Funktionen blockiert, bin ich schon auf dem Weg in den Volkspark: Bis ganz nach oben will ich, ich will auf den Steinstufen liegen und in den Himmel starren, oder vom Berg in die Stadt starren, ich will in die Umarmung einer letzten warmen Sommernacht. Nur versagen meine Knie auf halber Strecke. Beim Versuch umzukehren, versagen auch meine Augen oder es ist dunkel, so dunkel im Volkspark, dass ich eine falsche Biegung nehme, mich in den Parkwindungen verliere, vermutlich geht es bergab, irgendwo weiter weg ein Rave, ich spüre die Beats auf dem aufgewärmten Asphalt. Um überhaupt vorwärts zu kommen, gehe ich in die Knie, Krebsgang erscheint mir am stabilste, Zentimeter für Zentimeter krabble ich über den Boden und bete, nicht entdeckt, nicht aus Versehen vergewaltigt zu werden. Totaler Kontrollverlust, erzähle ich Fin, nichts geht mehr aber es ist auch egal, ich bleibe irgendwo auf dem Weg oder auf einer Rasenfläche oder in einem Gebüsch liegen, versteckte mich bis das Keta nachlas und als ich es endlich nach Hase geschafft hatte, zog ich eilig die nächste Line: Lass mich diese Nacht vergessen! Und rutschte unter der Dusche aus. Mit dem Kopf gegen die Wand. Allen ausser Fin erzähle ich von einem Fahrradunfall, unachtsame_r Rechtsabbieger_in. Es ist plausibel. Ich erhalte Mitgefühl.